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Autopiloten: leistungsfunktionen verstehen

Wie Ihr Autopilot Sie wieder auf das Wasser bringen und einen Vorsprung verschaffen kann, wenn die Regattasaison losgeht – Teil 3

Die meisten Menschen wissen, wie sie ihren Autopiloten ein- und ausschalten und den Kurs mit den 10-Grad- und 1-Grad-Tasten anpassen können. Einige können zwischen Kompass- und Windrichtung wechseln, aber in den meisten Fällen wird der Kompasskurs verwendet.

Die Autopiloten von heute sind jedoch in der Lage, ebenso gut oder unter bestimmten Bedingungen sogar besser als ein Mensch zu steuern. Um dies zu erreichen, müssen Sie jedoch die nächste Ebene von Bedienelementen verstehen und wissen, wie sie funktionieren und wann und warum Sie sie anpassen sollten.

Dafür ist etwas mehr Zeit in der Einrichtung erforderlich, aber die ist gut investiert, insbesondere wenn Sie mit kleiner Crew und/oder auf offener See segeln.

"Der Winkelbetrag und die Art und Weise, wie er an den Autopilot-Zylinder übermittelt wird, errechnet sich im Allgemeinen aus der Summe von drei Schlüsselfaktoren: 'proportionale', 'integrale' und 'differenzielle' Rückmeldungen, besser bekannt als PID", erklärt Matt Eeles, Product Director bei B&G. "An Bord können diese drei Faktoren mithilfe von drei Funktionen angepasst werden."

Ruderverstärkung

Ruderverstärkung – (P) Hiermit wird angepasst, welcher Betrag des Ruderwinkels verwendet wird, um auf Kurs zurückzukehren, und wie schnell dieser angewendet wird. Wenn die Verstärkung erhöht wird, reagiert der Autopilot schnell und aggressiv auf jede Anforderung. Dies ist die Hauptfunktion, mit der sichergestellt wird, dass der Autopilot auf eine für die aktuellen Bedingungen geeignete Weise reagiert.

"Viele denken, eine hohe Verstärkung wäre in jedem Fall am besten, aber in der Realität ist es nicht ganz so einfach. Wenn man das mit der Lenkung eines Fahrzeugs vergleicht, möchten Sie bei hoher Geschwindigkeit möglicherweise mit einem kleineren Winkel in die Kurve gehen, als wenn Sie langsam fahren. Deshalb kann das Maß der gewünschten Verstärkung variieren."

Auto-Trimm

Auto-Trimm – (I) Diese Funktion lernt, wie viel Luvgierigkeit angewendet werden muss, um einen stabilen Kurs zu fahren. Wenn Sie diese Einstellung ändern, wird die Geschwindigkeit angepasst, mit der der Autopilot lernt, die Luvgierigkeit auszugleichen.

"Um Auto-Trimm zu bewerten und einzurichten, stellen Sie bei ausgeschaltetem Autopilot das Boot auf Seitenwind, und steuern Sie von Hand, bis Sie mit dem Gefühl des Ruders zufrieden sind. Schalten Sie den Autopiloten ein, und warten Sie. Der Kurs bleibt unverändert. Bringen Sie nun ein wenig Luvgierigkeit ins Spiel, zum Beispiel durch Oversheeting des Großsegels, d. h. das Großsegel zu weit zu öffnen.

Wenn der Autopilot nicht schnell genug reagiert, müssen Sie Auto-Trimm reduzieren, damit er schneller lernen kann."

Gegenruder

Gegenruder (D) – Gegenruder ist die Funktion, die das Ruder in die entgegengesetzte Richtung wendet, um zu verhindern, dass das Boot über den gewünschten Kurs hinausschießt.

"Um diese Funktion zu überprüfen, fahren Sie mit Motorkraft, und notieren Sie den Winkel, in dem Sie begonnen haben und den der Autopilot ansteuern soll. Nehmen Sie dann einige große Kursänderungen von jeweils 20 bis 30 Grad vor. Auf diese Weise können Sie sehen, ob der Autopilot den Kurs über- oder unterschreitet.

Wenn er überschritten wird – erhöhen Sie den Gegenruder-Wert.

Wenn er unterschritten wird – verringern Sie den Gegenruder-Wert."

Hier noch eine einfache Zusammenfassung, um sich zu merken, welche Bedeutung die einzelnen Bedienelemente haben und wie sie zur gewünschten Funktion des Autopiloten beitragen:

  • Ruderverstärkung – Passen Sie diese Einstellung an, damit der Autopilot ebenso gut steuert wie Sie selbst. In 80 % der Fälle werden Sie diese Einstellung anpassen.
  • Auto-Trimm – Passen Sie diese Einstellung an, damit der Autopilot besser steuern kann als Sie selbst
  • Gegenruder – Passen Sie diese Einstellung an, damit der Autopilot besser steuern kann als Sie selbst

 

Top-Tipps von Matt

  • Die kabellose Fernbedienung (WR10) ist ein wichtiges, wenn nicht sogar unverzichtbares Zubehör, mit dem der Autopilot von jedem beliebigen Ort auf dem Boot aus bedient werden kann.
  • Wenn der Autopilot sich nicht wie erwartet oder gewünscht verhält und nicht gerade ein Wipeout oder eine Kollision bevorsteht, widerstehen Sie einfach der Versuchung, die Kontrolle zu übernehmen.
  • Beobachten Sie stattdessen, was passiert. Sie können leichter einschätzen, was Sie ändern sollten, um das Verhalten zu verbessern, wenn Sie verstehen, was der Autopilot zu tun versucht – und warum.
  • Machen Sie sich damit vertraut, wie lange der Kompass nachläuft, wenn Sie um eine Tonne fahren, insbesondere, wenn Sie einen Spinnaker/Gennaker nutzen möchten. Leicht lässt man den Spinnaker/Gennaker zu früh los und landet auf der Seite.
  • Wenn Sie die Kalibrierung ausprobiert haben und noch immer Probleme auftreten oder Ihre Instrumente auf mysteriöse Weise falsch kalibriert sind, vergewissern Sie sich, dass sich kein Metall in der Nähe des Kompasses befindet. Wurde z. B. ein Werkzeugkasten oder ein Anker dort platziert oder ist etwas anderes aus Metall heruntergefallen und befindet sich nun in der Nähe des Kompasses?
  • Erwarten Sie zu Beginn nicht zu viel von Ihrem Autopiloten. Schalten Sie ihn nicht gerade dann zum ersten Mal ein, wenn Sie die Luvtonne umfahren.
  • Und rechnen Sie immer mit Fehlern. Es braucht Zeit, um die richtigen Einstellungen zu finden und Vertrauen aufzubauen.

Biog

Matt Eeles

Matt kam 2003 zu Brookes & Gatehouse, nachdem er zuvor als Softwareentwickler gearbeitet und eine volle Olympia-Kampagne in der Tornado-Multihull-Klasse abgeschlossen hatte. Nach einiger Zeit auf dem Wasser übernahm er seine Rolle bei B&G in der Forschung und Entwicklung, bevor er im Jahr 2020 zum Product Director wurde.

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