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Start Line – RacePanel-Reihe mit Mark Chisnell: Teil 2

Nicht nur ein einfaches Software-Upgrade, sondern eine komplett neue Ära – B&G bringt taktische Software auf America's Cup-Level auf einen einfachen Kartenplotter. In diesem Artikel sehen wir uns die Werkzeuge an, die in der Start Line-Software enthalten sind.

Der wichtigste Teil des Rennens

Der Start kann einer der wichtigsten Momente und manchmal auch der einzig wichtige Teil des Rennens sein. Ihn taktisch, strategisch und praktisch richtig auszuführen, ist entscheidend. Die von den Kartenplottern der Zeus- und Vulcan-Reihe bereitgestellte Software RacePanel unterstützt Sie bei all diesen Aufgaben:

• dem Entwickeln einer Strategie für die Strecke bis zur ersten Wendemarke.

• die beste Stelle auf der Startlinie zu finden.

• beim Schuss mit voller Geschwindigkeit zu starten und dann den optimalen Kurs zu finden.

Die Software lässt sich einfacher verstehen, wenn wir diese Aufgaben separat betrachten. Sehen wir uns zunächst die allgemeine Strategie für den Kurs an, z. B. wenn eine Seite der Strecke einen großen Strömungs- oder Windvorteil hat. Viele strategische Entscheidungen werden einfacher, wenn man die Startlinie deutlich auf der Karte sieht. Sie markiert alle potenziell wichtigen Aspekte, z. B. Unterschiede der Wassertiefe (und damit Strömung) von einem Ende zum anderen, oder die Landform, die Hinweise zu geografisch bedingten Windänderungen liefert.

Glücklicherweise können Sie mit dem Vulcan- oder Zeus-Kartenplotter die Startlinie auf der Karte anzeigen lassen, um sich über alle möglichen geografischen Vorteile zu informieren und sich über die Strategie für die erste Etappe Gedanken zu machen.

Einstellen der Linie

Wenn es einen wirklich großen strategischen Vorteil für eine Seite der Strecke gibt, kann es sinnvoll sein, einfach an diesem Ende zu beginnen und so schnell wie möglich den richtigen Kurs einzuschlagen. Ist dies nicht der Fall, dann hängt die Entscheidung bei Starts gegen oder mit dem Wind meist vom sogenannten Kurs zur Startlinie ab, wobei nach dem Ende der Linie gesucht wird, das am nächsten (Starts gegen den Wind) oder am weitesten (Starts mit dem Wind) von der Richtung entfernt ist, aus der der Wind weht.

Bevor der Kartenplotter den Kurs zur Startlinie berechnen kann, muss das System wissen, wo sich die Startlinie befindet. Dies kann auf verschiedene Weise erfolgen, wobei die Backbord- und Steuerbord-Enden individuell eingestellt werden über:

• ein "Ping" zur aktuellen Position der Yacht

• das Festlegen einer Wegpunktposition (mithilfe eines Wegpunkts aus der Karte und/oder aus der Wegpunkt-Liste)

• das Festlegen an der Cursorposition auf der Karte

• das Festlegen eines Endes als Abstand und Peilung vom anderen Ende aus

• und schließlich durch "Wegdrehen" eines Endes der Linie nach oben oder unten, um kleinere Anpassungen vorzunehmen

Startliniendaten

Sobald die Linie eingestellt ist, sieht sie beim Aufrufen des Bildschirms "Startliniendaten" wie folgt aus:

Hier gibt es viele nützliche Informationen, aber die Zahl, für die wir uns gerade interessieren, befindet sich in der linken unteren Ecke: Anliegewinkel. In diesem Beispiel werden sechs Grad angegeben. Was bedeutet das?

Stellen Sie sich vor, wir müssten das auf die altmodische Weise mit einem Handpeilkompass und etwas Kopfrechnen machen. Wir würden zunächst entlang der Linie peilen. Falls wir die Peilung vom Steuerbord-Ende aus vornehmen, würden wir dann 90 Grad zur Peilung hinzufügen. Oder wenn wir die Peilung vom Backbord-Ende aus vornehmen, würden wir 90 Grad abziehen.

Der Wert dieser einfachen Summe ist die sogenannte neutrale Linie der Windrichtung. Die Windrichtung ist vollständig rechtwinklig zur Linie und es ergibt keinen Vorteil, an einem Ende oder am anderen Ende zu starten. Wenn der Wind jedoch nach rechts dreht, wird das Steuerbord-Ende der Linie bevorzugt, und wenn er zurückdreht, wird das Backbord-Ende bevorzugt sein.

In unserem Beispiel hat der Wind um 6 Grad zurück gedreht, so dass nun das Backbord-Ende der Linie um 6 Grad bevorzugt ist. Wir wissen, dass es sich um das Backbord-Ende handelt, da das Startlinien-Widget in der Mitte des Bildschirms mit dem Pfeil auf das Backbord-Ende zeigt.

Die Zahl unten rechts zeigt an, dass der Wert für den Vorteil jetzt 22,9 Meter beträgt. Jeder, der am Backbord-Ende der Linie startet, wird also fast 23 Meter dichter an der Luvtonne liegen als jemand, der an Steuerbord startet. Das ist definitiv ein Vorteil.

Allerdings: Jede Drehung des Windes ändert diesen Wert und kann das andere Ende der Linie bevorzugen. Es ist wichtig, die Änderungen im Auge zu behalten, und der Kartenplotter verfügt über Werkzeuge, die Ihnen dabei helfen. Zu diesen kommen wir später.

Zero Burn

Da wir nun wissen, an welchem Ende der Linie wir starten müssen, brauchen wir nur noch mit voller Geschwindigkeit beim Startschuss dort zu sein! Wenn es darum geht, die Startlinie in einem bestimmten Tempo zu erreichen, erweist sich die skalierte Ansicht der Startlinie als Bildschirm von größtem Nutzen. Dieser wird hier angezeigt. Er zeigt zwar die gleichen Zahlen wie der Bildschirm "Startliniendaten", gibt Ihnen jedoch einige zusätzliche und sehr wichtige visuelle Hinweise. Beachten Sie, dass der Anliegewinkelvorteil und die Distanz hinter der Linie jetzt in Bootslängen angezeigt werden.

Das Wichtigste, was wir in der Abbildung sehen können, ist die Zero-Burn-Linie. Das ist die Linie, die Ihnen mitteilt, dass Sie keine Zeit mehr zum Beschleunigen haben. Anders ausgedrückt: Wenn Ihr virtuelles Boot auf dieser Linie erscheint, Sie mit voller Geschwindigkeit segeln und so weiter machen, sind Sie pünktlich an der Linie

Polartabellen

Um die Position der Zero-Burn-Linie exakt zu berechnen, benötigt die Start-App eine präzise Polar- oder Leistungstabelle. Sollten Sie keine für Ihr Boot besitzen, wenden Sie sich an den Hersteller oder Konstrukteur. Wenn Sie keinen Zugriff auf einen Satz Polartabellen haben, können Sie die Zieltabelle verwenden, um grundlegende Informationen einzugeben. Diese finden Sie unter Einstellungen > Karteneinstellungen > Laylines. Sobald die Daten eingegeben wurden, weiß der Kartenplotter, mit welcher Geschwindigkeit das Boot bei entsprechender Windgeschwindigkeit und im entsprechenden Windwinkel segelt. Danach ist es eine simple Berechnung von Zeit und Entfernung, um die Zero-Burn-Linie anzuzeigen.

Bei der Nutzung der Zero-Burn-Linie kommt es letztendlich auf das Erreichen der Linie an. Das echte Boot muss genau dann mit voller Geschwindigkeit durch das Wasser pflügen, wenn die Zero-Burn-Linie auf das virtuelle Boot im Bildschirm trifft. Das menschliche Gehirn ist sehr gut darin, die unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Beschleunigungen zweier Objekte zu beurteilen (andernfalls würden wir einander auf belebten Gehwegen viel öfter anrempeln, ganz zu schweigen von Crashs an Autobahnkreuzen). Aber der Teil, den Sie üben müssen, ist, Steuermann und Trimmer die erforderlichen Geschwindigkeitsanpassungen zu kommunizieren.

Das haben wir immer schon bei den Vorbereitungen für den America's Cup trainiert, aber mit etwas Übung und einer klaren Kommunikation werden Sie schon bald die Zero-Burn-Linie als wirklich nützliches Werkzeug ansehen.

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