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Autopiloten: wichtige kalibrierungen und einstellungen: Teil 1

Wie Ihr Autopilot Sie wieder auf das Wasser bringen und einen Vorsprung verschaffen kann, wenn die Regattasaison losgeht – Teil 1

Sie sehnen sich auf die Regattabahn zurück, aber der Veranstaltungskalender zerfällt vor Ihren Augen zu Staub. Dabei könnte die Möglichkeit, wieder aufs Wasser zu gehen und vielleicht sogar Regatten zu segeln, näher sein, als Sie denken. Der Schlüssel dazu ist Ihr B&G Autopilot, der einen rechtlichen Vorteil bietet, den nur wenige ausnutzen.

Covid-19 hat uns zumindest vorerst einen völlig neuen Blick auf unseren Sport aufgezwungen. Aber der Lockdown ist auch eine Gelegenheit, von einer großen Veränderung im Offshore-Racing zu profitieren und schnellstmöglich wieder auf die Regattabahn zu kommen: durch das Segeln mit kleiner Crew.

Noch vor ein paar Monaten war eine ganze Crew auf der hohen Kante völlig normal. Jetzt ist so etwas aufgrund der Regeln zum Social Distancing nicht erlaubt, es sei denn, Sie kommen alle aus demselben Haushalt. Für die meisten Teams ist eine Einhaltung der Regeln mit einem Abstand von 2 m zwischen den Crewmitgliedern völlig undenkbar. Und die Crew eines 40-Fuß-Bootes von acht auf nur drei Personen zu verkleinern, ist ebenso unmöglich.

Oder?

Das Segeln mit kleiner Crew ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden.  Als sich beim Rolex Fastnet Race 2013 ein zweiköpfiges Team den Gesamtsieg holte, horchte die Segelwelt auf. Seitdem sind Flotten mit kleiner Crew immer größer geworden, und ihre Teams halten im Wettbewerb gegen ihre Gegner mit kompletter Crew immer besser mit. Deshalb haben sich einige gefragt, ob die beste Antwort auf die aktuelle Krisensituation nicht vielleicht das Segeln mit verkleinerter Crew sein könnte.

Und da ist es nur logisch, dass der Schlüssel dazu Ihr Autopilot, sei es der Triton2 oder ein H5000 System, sein könnte.

Da so viele Racer/Cruiser mit Autopiloten ausgestattet sind, die häufig nur für die Heimfahrt und gelegentliche Familienausflüge verwendet werden, gibt es viele Boote, die bereits passend zur neuen Situation ausgerüstet sind.

Die aktuelle Auszeit zu nutzen, um Ihren Autopiloten zu verstehen, bietet Ihnen Vorteile, die über das einfache Segeln mit kleiner Crew hinausgehen.

WARUM JETZT?

Interessanterweise waren Autopiloten auch vor der Coronakrise bereits ein heißes Thema in der Regattaszene. Dieses Jahr gab es eine große Veränderung bei RORC-Rennen, wo Autopiloten sowohl auf Booten mit kompletter Crew als auch mit kleiner Crew verwendet werden dürfen.

Darüber hinaus gibt es viele in der Shorthand-Szene, die der Meinung sind, dass ihre Autopiloten nachts schneller segeln als müde Menschen, die die Wellen und deren Täler nur schwer sehen können.

Wenn Sie also bereits die Ausrüstung an Bord haben, mit der Sie schneller als Ihre Wettbewerber über die Regattabahn kommen, ist es nur logisch, den Covid-Lockdown zu nutzen, um zu verstehen, wie der Autopilot Sie wieder auf das Wasser und auf die nötige Geschwindigkeit für die Saison bringen kann

Angesichts unserer Vorreiterrolle in diesem Bereich und den umfangreichen Kenntnissen, Technologien und Verbindungen innerhalb von B&G haben wir einige der Experten aus der Shorthand-Szene nach Tipps, Tricks und Ratschlägen gefragt, um das Beste aus einem Autopiloten herauszuholen.

In der Welt des Grand Prix ermöglichen moderne Autopiloten an Bord einiger der fortschrittlichsten Hochleistungsmaschinen wie der IMOCA60s und der Ultim-Trimarane Geschwindigkeiten, die mit Handsteuerung einfach nicht möglich sind. An diesem Punkt, wenn ihre Boote am Limit sind, müssen die Segler volles Vertrauen in den Autopiloten haben. Diesen Punkt zu erreichen, erfordert viel Planung und Erfahrung.

Aber auch der übrige Teil dieses Sports profitiert von technischen Entwicklungen aus der Oberklasse, und moderne Autopiloten demonstrieren eindrucksvoll, wie schnell sich das Umfeld im Bereich der Mainstream-Regatten weiterentwickeln kann.

Um herauszufinden, wie Sie Ihren B&G Autopiloten optimal nutzen, haben wir mit einigen Personen gesprochen, die regelmäßig auf ihre Unterstützungssysteme angewiesen sind. In dieser Mini-Serie sprechen Henry Bomby, Will Harris (Team Malizia) und Nigel Colley (Solo Ocean Racing Club) darüber, wie sie ihre Autopiloten einrichten und einsetzen. Außerdem erklärt Matt Eeles, Produktdirektor bei B&G, wie Sie Ihren Autopiloten genau einrichten und die wichtigsten Leistungsfunktionen verstehen, um sicherzustellen, dass Sie alle Vorteile nutzen können.

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KALIBRIERUNG, EINRICHTUNG UND EINSTELLUNGEN

Zwar geht es darum, zu verstehen, wie Sie das Beste aus Ihrem Autopiloten herausholen, aber bevor es soweit ist, darf nicht vergessen werden, dass ein wichtiger erster Schritt in der Kalibrierung der Basisinstrumente liegt.

"Wenn wir an Bord gehen, um ein Autopilotsystem zu untersuchen, ist nicht selten das einzige Gerät, das kalibriert wurde, der Tiefenoffset des Echolots", sagt Matt Eeles. "Die Kalibrierung der zentralen Sensoren ist nicht nur Teil der normalen Inbetriebnahme, sondern auch unerlässlich, bevor man sich auf irgendwelche Daten auf dem Display verlassen kann. Hier sind Kompass und Bootsgeschwindigkeit von grundlegender Bedeutung für jedes Instrumentensystem, weshalb sie zuerst kalibriert werden müssen. Ohne diese Vorarbeiten sind alle Anpassungen am Autopiloten sinnlos."

Kompass und Log kalibrieren – Tipps von Matt

•         Für die Kalibrierung des Kompasses muss man lediglich den Kalibrierbereich der Instrumente öffnen und mit dem Boot einen gleichmäßigen Kreis fahren (mit etwa 3 Grad/Sekunde), bis auf dem Display angezeigt wird, dass der Kompass vollständig kalibriert wurde. Dazu sind in der Regel 390 Grad nötig.

•         Das Kalibrieren der Geschwindigkeit wird am besten auf einer bekannten Entfernung zwischen zwei festen Punkten durchgeführt.

•         Das Anpassen des Logs basierend auf der GPS-Ausgabe ist nicht besonders zuverlässig. Das ist zwar sehr verlockend, vor allem bei geringem Gezeitenstrom und Wind, aber es ist überraschend schwer, das richtig hinzubekommen.

 

"Um Ihr Log zu kalibrieren, können Sie mit Ihrem Kartenplotter einfach ein paar Markierungen auswählen, die beispielsweise 0,5 Meilen voneinander entfernt liegen, um die Kalibrierungsfahrt dazwischen ihnen einzurichten", erklärt Matt. "Starten Sie die Kalibrierfunktion an den Instrumenten, und führen Sie dann drei Fahrten mit gleichbleibender Geschwindigkeit durch."

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VORBEREITUNG AN LAND

Wir alle wissen, wie ein Autopilot ein- und ausgeschaltet wird, wenn wir zur Regattabahn oder zurück nach Hause fahren, aber die Verwendung und das Vertrauen in einen Autopiloten während des Rennens erfordert viel detaillierteres Wissen und Verständnis.

Vor diesem Hintergrund findet Will Harris von IMOCA60 Team Malizia, dass es vieles gibt, was Sie tun können und sollten, bevor Sie überhaupt in See stechen. Der beste Zeitpunkt ist also jetzt.

"Sie können auf See viel Zeit sparen, indem Sie sich vorher mit den verschiedenen Autopilot-Funktionen vertraut machen. Wenn es darum geht, wie man die Einstellungen unterwegs anpasst, ist es sehr wichtig, zu wissen, was die Funktionen tun und wie sie funktionieren. Ich lese mir die Handbücher genau durch und mache eine Liste der wichtigsten Funktionen, die ich laminiere und als praktische Anleitung neben dem Controller befestige.

Wenn Sie dann zum Boot gehen, gibt es einige wichtige Dinge, die Sie tun können, noch bevor Sie in See stechen."

Grundlegende Einrichtung – Tipps von Will

•         Sorgen Sie zu allererst dafür, dass Sie wissen, wie Sie den Autopiloten in Eile ausschalten können, falls es nötig ist.

•         Wählen Sie einen Tag/eine Tageszeit mit ruhigem Wasser, minimalem Gezeitenstrom und möglichst wenig Wind.

•         Überprüfen Sie, ob das Ruder und der Autopilot in der Geradeausstellung miteinander übereinstimmen.

•         Fahren Sie langsam mit Motorkraft auf einem Fluss oder durch einen Hafen, da sich der Kurs leichter bewerten lässt, wenn Sie einen Hintergrund haben.

•         Schalten Sie den Autopiloten ein, und stellen Sie ihn auf "Geradeaus".

•         Achten Sie darauf, ob der Kurs des Boots abweicht.

•         Stellen Sie nach Bedarf nach, bis der Kurs stabil gehalten wird.

•         Wenn Sie sich auf eine Funktion beschränken wollen, sollten Sie sich unbedingt mit der Verstärkungsfunktion beschäftigen. Diese verwenden Sie 80 % der Zeit, um das Verhalten des Autopiloten unter verschiedenen Bedingungen anzupassen, damit er so steuert, wie Sie es tun würden.

•         Auto-Trimm und Gegenruder sind Funktionen, die Sie 20 % der Zeit verwenden, um später die Leistung zu optimieren und dafür zu sorgen, dass der Autopilot noch besser steuern kann als Sie selbst.

•         Planen Sie eine Woche zum Kalibrieren und Üben ein, um ein gutes Gefühl für den Autopiloten zu bekommen – das lässt sich nicht abkürzen und nimmt etwas Zeit in Anspruch, aber diese Zeit ist gut investiert.

 

BIOGS

Will Harris

Will hat mit der Artemis Offshore Academy am La Solitaire du Figaro Circuit 2016 teilgenommen und im selben Jahr den La Solitaire du Figaro Rookie-Titel gewonnen. 2019 absolvierte er für Hive Energy den Figaro-Kurs an Bord einer Beneteau Figaro 3 und begleitete anschließend Boris Herrmann an Bord seiner IMOCA60 Team Malizia beim Fastnet-Rennen 2019 und der zweihändigen Transats Jaques Vabre. Er bleibt weiterhin Partner von Herrmann, während dieser sich auf den Vendée Globe vorbereitet.

 Matt Eeles

Matt kam 2003 zu Brookes & Gatehouse, nachdem er zuvor als Softwareentwickler gearbeitet und eine volle Olympia-Kampagne in der Tornado-Multihull-Klasse abgeschlossen hatte. Nach einiger Zeit auf dem Wasser übernahm er seine Rolle bei B&G in der Forschung und Entwicklung, bevor er im Jahr 2020 zum Product Director wurde.

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