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RacePanel-Serie mit Mark Chisnell: Teil 1

Nicht nur ein einfaches Software-Upgrade, sondern eine komplett neue Ära – B&G bringt taktische Software auf America's Cup-Level auf einen einfachen Kartenplotter

Taktische Software auf dem Kartenplotter

In jeder Branche gibt es Pioniere, und einer von ihnen in den Annalen der Marineelektronik ist Dr. Graeme Winn. In den 1980er-Jahren gab es ganz wenige Mutige, die sich anschickten, sehr teure Apple PCs mit einer Reihe von Autobatterien im Bauch einer Rennyacht zu verkabeln, um dann (hoffentlich) auch vom Kai abzulegen.

Dr. Winn war einer von ihnen, und seine Arbeit mit dem Victory-Team beim America's Cup 1983 führte zum Sailmath Deckman, einem speziell entwickelten taktischen Renncomputer, der nur 6 kg wog. Ja, das waren noch Zeiten. Dr. Winn war ursprünglich ein Statistiker und Programmierer, und der clevere Teil seiner Arbeit bestand aus reiner Mathematik. Es waren Berechnungen, die die Antworten auf alle Fragen ermittelten, die Navigatoren und Taktiker während eines Rennens stellen könnten.

Hardware

Er fand ein paar intelligente und originelle Lösungen bei der Art und Weise, mit der er Probleme und Antworten anging, und bis in die 1990er-Jahre dominierten spätere Generationen des Deckman und seines Schwester-WTP-Instrumentenprozessors einen Großteil der internationalen Regattastrecken. Eine Weile gab es beim America's Cup, Whitbread oder Admiral's Cup kaum einen Teilnehmer, der nicht mit einer oder mehreren der Sailmath-Maschinen von Dr. Winn sowie einer Reihe von B&G Sensoren und Displays ausgestattet war.

Die für den Computercode verantwortliche Hardware war größtenteils zufällig: Sie musste nur leicht, leistungsstark und wasserdicht sein. "Nur" ist eigentlich das falsche Wort. Der erste Deckman benötigte eine Maschine, die individuell gebaut werden musste, bis hin zum gegossenen Aluminiumgehäuse mit O-Ring. Paradoxerweise machte sie den cleveren Teil der Maschine – die Programmierung – viel teurer, als er es gewesen wäre, wenn man die reine Software einzeln verkauft hätte. Dadurch war das Produkt unzugänglich für fast alle, abgesehen von denen ganz oben an der Spitze der Segelrennwelt.

Dr. Winn erkannte schnell, dass der Bau von kundenspezifischer Hardware für einen so kleinen speziellen Kreis nicht zukunftsweisend war, und als brauchbare Produkte von Drittanbietern auf dem Markt erschienen, ging man rasch zu deren Verwendung über. In den nächsten 25 Jahren wurden alle Arten von Hardware genutzt, um das Projekt, aus dem Deckman für Windows wurde, zum Laufen zu bringen – vor allem Laptops, die an die bewährten Toughbook-Bildschirme von Panasonic angeschlossen wurden –, bis wir ins aktuelle Zeitalter der iPads und Notebooks kamen.

Alles dreht sich um die Software

Die Zeiten, in denen Hardwarelösungen zur Ausführung taktischer Navigationssoftware zusammengeschustert wurden, sind nun vorbei. Und der Grund dafür ist Navico. Die Navico Group ist das weltweit größte Unternehmen für Marineelektronik und Mutterkonzern von B&G und anderen führenden Marinemarken. Durch die Verwendung derselben Kernhardware für alle Marken kann Navico kundenspezifische Produkte für Marinekunden zu sehr erschwinglichen Preisen herstellen – hinsichtlich Effizienz und Kosteneinsparung in einer Größenordnung, die sich merklich auf den Marinemarkt ausgewirkt hat.

Die zentrale Gestaltung und Herstellung von Weltklasse-Hardware für die einzelnen Marken der Navico Group bedeutet auch, dass die Ingenieure und technischen Spezialisten der einzelnen Unternehmen sich wieder auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können, nämlich Software und Apps zu entwickeln, die genau den Bedürfnissen ihrer Kunden entsprechen. Und wie Dr. Winn sagen würde, dreht sich alles zu 90 % um die Software.

Das Vermächtnis von Dr. Winn

Als er sich zu Beginn des neuen Jahrtausends anderen Dingen zuwendete, übergab Dr. Winn die Verantwortung für die Sailmath-Produkte an B&G. Die Spitzenreiter beim Segeln waren immer professioneller geworden. Die Teams beim America's Cup griffen wieder auf maßgeschneiderte und spezifizierte Systeme zurück, um ihren zunehmend komplexen Bedarf an Sensorarrays zu erfüllen.

Im Sailmath-Portfolio erkannte B&G die Möglichkeit, allen anderen die Technologie in einer zugänglicheren Form verfügbar zu machen. In den letzten zehn Jahren haben sich die komplexen Berechnungen und der Computercode von Deckman auf eine breite Produktpalette ausgewirkt. Dr. Winns Mathematik mit ihren Algorithmen und Formeln zum America's Cup ist heute das Herzstück aller Windrichtungen und Windgeschwindigkeiten, die von einem B&G Segelboot-Instrumentensystem angezeigt werden. Welche ähnliche Produktpalette kann schon mit einer solchen Herkunft aufwarten?

Die Hinterlassenschaft von Dr. Winns Programmierung ist heute das Herz der Segelkartenplotter Zeus und Vulcan von B&G.

Was ist enthalten?

Seit 2015 umfasst die Software in den Zeus- und Vulcan-Kartenplottern von B&G mehrere essenzielle Funktionen für Taktik und Navigation, die bislang nur Kunden taktischer Premiumpakete, wie beispielsweise von Deckman, vorbehalten waren. Sie umfasst das Start-Display mit wichtigen Berechnungen wie Zeit und Distanz zur Linie, welche auf einer Karte der Regattastrecke oder auf einem skalierten Startbildschirm mit Gitterlinien eingeblendet sind.

Die neue Kurseinstellungsfunktion erleichtert und beschleunigt das Einstellen aller Arten von Regattastrecken in den Plotter, insbesondere von Luv- und Leekursen, sowie das Setzen von Markierungen mit Entfernung und Peilung. Und schließlich umfasst sie die "Was geschieht wenn?"-Rechenkapazität, welche für Spitzen-Taktiken und -Navigation unerlässlich ist.

In den nächsten drei Artikeln werden wir auf diese Aspekte genauer eingehen und uns anschauen, wie diese Software wesentlich mehr aus Ihrem Kartenplotter der Zeus- oder Vulcan-Reihe macht.

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